Geschichte der Corvette

1953-1962

Die Corvette wird geboren!

Warum man bei Chevrolet 1952 grünes Licht zur Entwicklung des Prototypen eines Sportwagens gegeben hat, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Viele Möglichkeiten bieten sich an. Zum einen waren die Verkaufszahlen von Chevrolet in den Jahren 1948 bis 52 von 2 Millionen auf 1 Million zurückgegangen. Vielleicht gefiel den Vorstandsherren aber auch einfach das von Harley Earl erstellte Modell. Oder man wollte den Engländern beweisen, das auch in Amerika gute Sportwagen gebaut werden konnten.

Sei´s drum - die 1953er Motorama, eine Verkaufsausstellung von General Motors, die im Januar durch die großen Städte der USA zog, hatte einen neuen Star: einen weißen Zweisitzer mit rotem Interieur - die erste Corvette.

Das Besondere an diesem Wagen war die Karosserie, die vollständig aus Glasfaser gefertigt war. Beim Motor musste man aus Kostengründen einen Vorkriegs-Sechszylinder nehmen, der ursprünglich für Lastkraftwagen gedacht war. Nach einigen Modifikationen des Triebwerks leistete der Motor 150 PS bei 4500/min bei einem maximalen Drehmoment von 302 Nm. Die Spitzengeschwindigkeit lag bei fast 180 km/h.

Am 30. Juni 1953 rollte in Flint, Michigan die erste Corvette vom Band, kaum 1 Jahr nach Vorstellung des ersten Modells. Aber es war eine schwierige Geburt, und die ersten Jahre waren oft ein Überlebenskampf. Die Fahrleistungen waren für einen Sportwagen nicht ausreichend, der Komfort ließ zu wünschen übrig, das montierte Dach behinderte die Sicht und ließ Wasser in den Innenraum und der Faltmechanismus war primitiv.

So gab es nur 315 Exemplare im ersten Jahr und man werkelte fleißig an den Verbesserungen. Für 1954 wurden 10.000 Stück angepeilt, doch reduzierte man die inzwischen nach St. Louis, Missouri verlagerte Produktion auf 3640 Einheiten. Die Corvette kränkelte!
Bei Chevrolet entstand so das Gefühl "jetzt erst recht"! Zora Arkus-Duntov kümmerte sich jetzt um das schwammige Fahrwerk und Ed Cole trieb den Bau eines V8-Motors voran. 13,6 kg leichter und erheblich kompakter als der 6-Zylinder-Motor, extrem dünne Zylinderwände, integrierter Einlasskrümmer und eine Kurzhub-Kurbelwelle brachten folgendes Ergebnis: 6000/min, 195 PS, max. Drehmoment von 353 Nm bei 3000/min, 9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

1956 erhielt die Corvette eine veränderte Karosserie, die optisch durch die großen seitlichen Aussparungen auffiel. Diese "Corvette-Flanke" wurde zum Erkennungszeichen der nächsten 7 Jahre. Außerdem investierte man in die Verbesserungen des Komforts. Man fühlte sich wohl in der neuen Corvette, Kurbelfenster - auf Wunsch elektrisch, elektrisches Faltdach, ein Hardtop für den Winter und ein Transistorradio machten das Fahren zur Freude. Bill Haley´s Rock´n´Roll im flotten Zweisitzer, amerikanisches Lebensgefühl der 50er Jahre war perfekt. Übrigens: Ford entschloss sich, aufgrund der agressiven Antwort Chevrolets, dem Thunderbird trotz des Anfangserfolgs zwei zusätzliche Sitze zu verpassen und eine andere Käuferschicht anzupeilen.

Obwohl eine weiter verbesserte Variante des V8 inzwischen 225 PS leistete und die Corvette in 7,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigte, suchte man nach neuen Wegen und Möglichkeiten, um DEM amerikanischen Sportwagen noch mehr Kraft zu verleihen. Bei allen angedachten Veränderungen musste jedoch immer an den guten Ruf gedacht werden, den die Motoren von Chevrolet hatten; sie waren langlebig und zuverlässig. So verwarf man die Idee, dem Motor durch Aufladung mehr Leistung zu geben, obwohl Duntov bereits in den 30er-Jahren mit Kompressoren Erfahrungen gesammelt hatte. Man entschied sich zum einen für die Vergrößerung des Hubraums auf 4.638 ccm und setzte zum anderen - erstmalig in Amerika - auf Benzineinspritzung anstelle der herkömmlichen Vergaser. Ergebnis: 283 PS bei 6200/min.

So war 1957 aus der schwachbrüstigen Corvette ein echter Sportwagen geworden. Auch die Fahreigenschaften hatten sich erheblich verbessert: erhöhte Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten, optimierte Lenkung und bessere Kraftübertragung in den Kurven durch Entlastung des kurveninneren Hinterrades. Nun stellten sich auch erste Erfolge im Motorsport ein. Chevrolet bot 1957 seinen Kunden ein Rennkit für 725 Dollar an, um das Serienfahrzeug sportlich weiter aufzuwerten: Hochleistungs-Hinterachse mit fünf statt vier Federn, Sperrdifferential, größerer Stabilisator und umfangreichere Federn vorne, spezielle Bremsbeläge, belüftete Trommeln und eine direktere Lenkübersetzung.

Das neue Selbstwertgefühl bei Chevrolet sorgte dafür, das 1958 die Corvette extrem "geschmückt" wurde: Doppelscheinwerfer, viel zu viel Chrom, überdimensionale Stoßfänger hinten und viel zu große Lufteinlässe neben dem Kühlergrill, die nur Attrappen waren.
1959 wurde das "Zuviel des Guten" wieder rückgängig gemacht, so das sich dem Käufer wieder ein "aufgeräumtes" Inneres und Äußeres präsentierte. Überflüssiges Chrom war verschwunden und die umfangreichen Instrumente waren um Tacho und Drehzahlmesser angeordnet.

1961 und 1962 gab es nur geringe Veränderungen am Erscheinungsbild der Corvette, dafür wurde am Innenleben gearbeitet. Vor allem Gewichtsreduzierung stand auf dem Programm. So wurde 1961 ein Kupplungsgehäuse aus Aluminium und 1962 das Getriebegehäuse und der Kühler ebenfalls aus Aluminium eingebaut. Der Motor leistete 1961 315 PS und beschleunigte in 5,5 Sekunden auf 100 km/h. In der amerikanischen Fachpresse konnte man lesen: "Die Corvette ist heute ein Sportwagen, wie man ihn sich wünscht - er beschleunigt vehement, er lenkt willig ein, und er bremst zuverlässig."

Zum Ende der ersten Generation wurde die Karosserie der Corvette leicht überarbeitet. Die Styling-Abteilung bei Chevrolet wurde inzwischen von William Mitchell geleitet, der sich aber die großen Änderungen für die zweite Generation aufhob. So verschwanden mehrere Chromteile, die nun in Wagenfarbe lackiert wurden, die hinteren Kotflügel wurden stärker gewölbt, die runden Rückleuchten wurden eingeführt, die Kofferraumhaube stärker heruntergezogen, der Kühlergrill wurde Schwarz statt Silber und die Aussparungen - 1962 letztmalig zu sehen - in Wagenfarbe lackiert.

Der Hubraum wurde auf 5,4 Liter vergrößert und die Einspritz-Variante des V8 leistete nun 360 PS. Die Corvette hatte das Leistungsniveau eines Ferrari erreicht, kostete jedoch nur etwa die Hälfte. Und jetzt stimmten auch die Verkaufszahlen; Chevrolet verdiente mit der Corvette Geld.

Die Absatzzahlen der ersten Jahre
Jahr Stück Preis in $
1953 315 3.513
1954 3.640 3.523
1955 674 2.799
1956 3.467 3.149
1957 6.339 3.465
1958 9.168 3.631
1959 9.670 3.875
1960 10.261 3.872
1961 10.939 3.934
1962 14.531 4.038

 

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